Wann, wie und warum wurde die NEINKERJER PLÄTSCH große Karnevalsgesellschaft im TuS 1860, e.V. gegründet?

Eigentlich überhaupt nicht. Die Gründung ergab sich einfach. Fast von selbst wuchs sie gegen Ende der Vierziger Jahre aus dem dunklen Drang, wieder Fastnacht zu „machen“. An Fastnacht „feiern“ wagte man nicht zu denken, unter dem Eindruck der grausigen Erlebnisse des Krieges, des furchtbaren Mordens, der Vertreibungen, angesichts der zu 75% zerstörten Stadt.

Doch 1949/50 wurden 2000 (!) Wohnungen wieder aufgebaut. Die Hütte begann 1950 sogar wieder Dreck und Qualm zu speien. Der TuS 1860 – er hatte nach dem Willen der Militärregierung auf das suspekte T für „Turn“ verzichten und sich (zwischenzeitlich) SV 1860 nennen müssen - hatte in einer „Spielschar“ schon um 1947 begonnen, kulturelle Aufgaben zu bewältigen. Und daraus ergab sich aus einer gemütlichen Runde im Café Freiberg in der Langenstrichstraße nach der 11-Uhr-Messe in St. Marien ein karnevalsbeflissener Stammtisch. Ihm gehörten an: Dr. med Otto Rawer (Vorsitzender des SV Neunkirchen), Ing. Rudi Marzen (ideensprühender Organisator und Techniker), Werner Schmitz (Sänger und phantasiebegabter Düsselddorfer), Kurt Böckle (scharfzüngiger Student) und Karlfried Müller (anfangs Pennäler und später Versicherungsvertreter). Selbstredend waren auch meist die Damen durch wichtige Impulse, mit Rat und Tat zugange.

1949 und 1950 wagte man einige karnevalistische Einlagen beim traditionellen (Turner-) Ball am Rosenmontag. Sie machten Mut zu mehr, Mut zu einer Kappensitzung. Diese fand dann auch am 9. Februar 1951 im Saal des Bergmannsheimes unter Leitung des Präsidenten Rudi Marzen statt. Und nachdem dies alles so gut geklappt hatte, holde man am darauffolgenden Tag die offizielle, längst fällige Gründung im Café Freiberg nach. Gretel Schmitz lieferte den Namen für die Gesellschaft, die sich erst einmal als Karnevalsabteilung im SV (Tus) 1860 etablierte: NEINKERJER PLÄTSCH. Dieser Mundartausdruck für Pritsche ist eben etwas unverfälscht saarländisches. Unter darauf sind wir heute noch stolz.

 
Karlfried Müller
Chronik

Es waren ruhige, angesehene Bürger, die sich sonntags nach dem Kirchgang zum Frühschoppen trafen und dabei diskutierten, frozzelten, glossierten, politisierten und manchmal auch das taten, was man in Neunkirchen schlicht mit „dummschwätze“ bezeichnet wird. Besonders um die Fastnachtszeit hatten sie den Wunsch, einmal so richtig aus der Alltagshaut zu fahren. So war es auch kein Wunder, dass sie sich während der Karnevalszeit 1951 entschlossen, sich zusammenzutun und eine Karnevalsgesellschaft zu gründen.

Weil nun einer von ihnen, Dr. med. Otto Rawer, erster Vorsitzender des TUS 1860 war, war auch schon der äußere Rahmen für die Gründung gegeben. Rudi Marzen mit Otto Rawer später Väter des größten Saales in Neunkirchen, der Sporthalle des TUS 1860, lieferte die Planung. Werner Schmitz brauchte nicht mehr „ze Foos no Kölle ze jonn“ und Kurt Böckle konnte sich wieder kurz „Ben“ nennen.

Vom Entschluss zur Tat aber war es ein Weg von nur einigen Wochen, denn Rosenmontag stand vor der Tür. Der erste Versuch wurde 1951 im Bergmannsheim auf dem Maskenball des TUS 1860 gestartet. Es war ein voller Erfolg. Dieser Erfolg ermunterte, Sitzungen für das Jahr 1952 vorzubereiten. Die erste Saison wurde 1952 von wenigen Akteuren und der Handballabteilung gestaltet. Die „erste große Gala-Kappensitzung des Turn- und Sportvereins 1860 mit feierlichem Einmarsch des Elferrates, am Samstag, dem 09.02.1952, im Bergmannsheim, abends 20.11 Uhr“, unter dem Präsidium von Rudi Marzen, war ein Ereignis.

Bereits eineinhalb Wochen nach der ersten Sitzung folgte eine zweite im Café Freiberg. Diese Veranstaltung lief bereits unter dem Namen Neinkerjer Plätsch über die Bühne, denn inzwischen hatte man sich auf Vorschlag von Gretel Schmitz zu diesem typisch Neunkircher Namen entschlossen.

Im Jahr 1952 wurde zusammen mit den Karnevalsvereinen „die Daaler“ und den „Roten Funken“ der Neunkircher Karnevals – Ausschuss e.V.. ( N K A ) gegründet.

Die erste große Prunkkappensitzung der Plätsch am 10.01.1953 im Gemeindehaus unter Elferratspräsident Heinz Wesch, war ein Paukenschlag, der sogar beim damaligen Innenministerium gehört wurde. Das Echo ließ nicht auf sich warten sehr zu Leidwesen von Werner Schmitz und Robert Hör.

Die beiden hatten nämlich nach Manier des rheinischen Karnevals als Serenissmus und Kindermann in der Bütt eine Unterhaltung, wobei der eine von der Regierung, der andere vom Prinz Karneval redete. In den damaligen „rauen“ Zeiten blieb es nicht aus, dass dieser „Verwechselungs-“ Dialog ein Nachspiel hatte:

Beide wurden kurzfristig nach Saarbrücken („aufs Schloss“) zitiert und von Angehörigen der damaligen P 6 befragt.

Für den Wiederholungsfall wurde Werner Schmitz mit der Ausweisung aus dem Saarland gedroht. Robert Hör, dem zusätzlich noch eine am selben Abend vorgetragene Rede als Steuerzahler angekreidet wurde, wurde als Beamter auf Widerruf für neun Monate aus dem Beamtenverhältnis entlassen.

Unbekümmert wurde dann das Programm für die drei Wochen später stattfindende Kappensitzung dahingehend abgewandelt, dass man die Frage stellte, „ob P 6 im Saal sei“ und ein natürlich zu den Mitgliedern zählender, als P-6-Angehöriger aufgemachter Gast im Saal gefragt wurde, „oder denn Schreibzeug bei sich habe oder den Manuskriptentwurf haben wolle“.

In dieser Sitzung erhielt die Plätsch erstmals Unterstützung von der unvergessenen „Beißzange“ um Inge Büsgen, Ilse Willig, Heinz Büsgen, Walter Schmidt, Theo Blügel und Hans Groß unter Regie von Hans Staut.

1954 – ein neues Jahr und ein neuer Elferratspräsident, Toni Herges. In der Bütt erschienen zwei neue Büttenredner, Adolf Anken und Hans Schaubitzer. Wie die meisten, die einmal in den Kreis der Plätsch hineingeraten waren, blieben auch sie der Plätsch treu.

1955 brachte neue Taten und man hatte sich schon an ausverkaufte Häuser gewöhnt. Leider musste Toni Herges im Herbst dieses Jahres das Amt des Elferratspräsidenten niederlegen. Ihm folgten als Elferratspräsidenten Karlfried Müller (1956 – 1973), Dieter Karthein (1974), Julius Brabänder (1975 – 1979). Ab 1980 einigte man sich auf ein Triumvirat, dem zuerst Karlfried Müller, Werner Schmitz und Georg Schmidt, später (1982) Karlfried Müller, Werner Schmitz und Julius Brabänder und schließlich (1983) Karlfried Müller, Julius Brabänder und Ottmar Kaspar angehörten. 1984 – 1987 war wieder Karlfried Müller im Amt des „Ratspräsidenten“ zu sehen. Ihm folgte das Duo Hubert Müller und Peter Stenger (1988 – 1990). Sie wurden abgelöst von Marianne Lutz (1991 – 1993), Rolf Baab (1994) und wieder von Marianne Lutz (1995 – 1997). Ihr folgten Tanja Streb und Klaus Liedtke (1998 – 1999). Im Jahr 2000 war Tanja Streb Elferratspräsidentin. Dieses Amt übernahm Marianne Mees frühere Lutz (2001 – 2005). Wegen Krankheit wurde Marianne Mees im Jahr 2004 von Yvonne Maurer und Klaus Liedtke vertreten. Im Jahr 2005 wurde Marianne Mees ebenfalls wegen Krankheit von Elke Rothhaar und Klaus Liedtke kurzfristig vertreten.

Der Einzug in die 1955 fertiggestellte TUS-Halle und der Zustrom immer neuer begeisterter Mitarbeiter machte den weiteren Fortgang der Arbeit leicht. Es war eine Freude 1957 die „Plätsch-Atzele“ auf der Bühne, Hans Kirilenko in der Bütt und die neue Tanzgarde unter Liesel Sievers vorstellen zu können.

In den folgenden Jahren stießen zum Kreis derer, die im Rampenlicht stehen, Leo Dörrenbächer, Heiner Ringeisen und Georg Schmidt. Die Resonanz aus diesen Jahren gab die Gewissheit, dass die einstmals mit großer Begeisterung eingesetzte Pflänzchen namens Neinkerjer Plätsch sich zu einer staatlichen Blume gemausert haben.

Die Wurzeln dieser Blume liegen allerdings nicht im Licht der Scheinwerfer. Die Plätsch ist tief verwurzelt im Kreis der nimmermüden stillen Mitarbeiter, denen an dieser Stelle ganz besonders gedankt sein soll. Die Plätsch ist nicht denkbar ohne ihre geschäftsführenden Präsidenten Willi Kölsch (1952 und 1953), Albert Arnold (1953), Walter Schmelzer (1954 und 1955), Heinz Sievers (1955 – 1961), Karl John (1961 und 1962), Karlfried Müller(1963), Dieter Ackermann (1964 und 1965), Dieter Karthein (1966 - 1973), Alfred Krenz (1974 – 1976), Jörg Ertz (1977 – 1981), Annedore Ecker (1982 – 1987), Karlfried Müller (1988 und 19989), Annedore Ecker (1990 – 1992), Klaus Liedtke (1993 und 1994), Felix Müller (1995 und 1996) und Hermann Frick (1997 bis heute).

Immer wieder stießen neue Mitarbeiter zu diesem begeisterungsfähigen Verein. Rudi Pfiffi (vom Herold, 1956, über den Tanzmajor zum Büttenredner), Dieter und Udo Karthein, Eddi Lutz und Peter Junker. Die Gründung der Neinkerjer Buwe 1963 durch Friedel Biehl stellte eine weitere Bereicherung des Plätsch-Programmes dar.

1969 wurde die Kindertanzgruppe unter Leitung Ulla Karthein gegründet, was schließlich dazu führte, dass die Neinkerjer Plätsch per Zellteilung die Kinderkarnevalsgesellschaft Hoppeditz entstehen ließ; 1972 traten erstmals die „Oldtimer“, eine Kindersinggruppe, auf. Seit dieser Zeit werden auch Kinderveranstaltungen von der Plätsch durchgeführt.

Jüngstes Kinder der siebziger Jahre ist die 1978 entstandene „Lyonergarde“, eine Art „Antigarde“. In der Regel zahlenmäßig um 11 schwankend, intelligent bis zum Nobelpreis, arbeitsam bis zur Selbstaufgabe (manche sagen: „Überall dabei“), genügsam bis zur Eigenfinanzierung der Uniformen und anti-karnevalistisch bis zur Ordensverweigerung.

Im Laufe der folgenden Jahren kamen immer wieder neue Büttenredner zur Plätsch, stellvertretend für alle aufgezählt: Hardy Schwickert, Richard Schöndorf, Markus Müller, Nanni Lutz, Ottmar Kasper, Karlhein Thome, Elke Rothhaar, Markus Mordal, Klaus Höfner, Yvonne Maurer, Hermann Frick, sowie Sabine Schulz und Melanie Frick.

Nicht nur Büttenredner hatten den Weg zur Plätsch gefunden, nein, es gab auch neue Gruppen und Garden, die das Programm der Plätsch bereicherten und ergänzten. Darunter waren die Juniorenschautanzgruppe die „Plätsch Teenies“, die Garde mit den tanzenden Müttern des Vereins die „Tussys“ später XXL genannt, die „Plätsch Ladys“ eine Gruppe ehemaliger Gardemädchen, die „Plätsch Majorette’s“ die mit ihren Stäben im Hellen und im dunkeln zu leuchten wissen, die Sketchgruppe die den gespielten Witz gekonnt auf der Bühne darbietet.

Im Laufe der Vereinsgeschichte musste die Plätsch ihr Domizil (Saal für ihre Veranstaltungen) aus den verschiedenen Gründen mehrmals verlegen. Man war von 1955 – 1974 in der Sporthalle des TUS 1860. Danach hatte die Plätsch ihre Veranstaltungen im Gemeindehaus in der Vogelstraße durchgeführt (1975 – 1982). Nachdem die Theodor-Fliedner-Gesellschaft im Jahr 1982 beschloss hat das Gemeindehaus zu verkaufen, kehrte der Verein zur Sporthalle des TUS 1860 zurück (1983 – 1989).

Da immer weniger Besucher zu unseren Veranstaltungen fanden, suchten wir einen kleineren Saal und fanden diesen auch am Oberen Markt, bei der evangelischen Paulus Kirchengemeinde, neben dem Rathaus. Obwohl die Besucherzahlen unserer Veranstaltungen wieder ansteigen, führen wir unsere Kappensitzungen weiterhin dort durch.

Wegen dem Weggang aus der Sporthalle des TUS 1860 wurde mit diesem ein Kooperationsvertrag abgeschlossen, dies bedeutet, die Neinkerjer Plätsch ist kooperatives Mitglied des TUS 1860 e.V.. Dieser Vertrag trat am 01.07.1990 in kraft und ist bis heute noch wirksam.

Ohne die tatkräftige Unterstützung der Mitglieder, die die Neinkerjer Plätsch nicht nur ihre Freizeit opferten, sondern auch noch materiell und finanziell zur Seite gestanden haben und der Vielzahl an Sponsoren, würde die Neinkerjer Plätsch schon lange nicht mehr Existieren. Hierfür allen Mitglieder und Sponsoren ein rechtherzliches Dankeschön.


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